Buch

Nach dem Ende der Politik

Texte zur Zukunft der Kulturpolitik III

 

Konrad Becker, Martin Wassermair (Hrsg.)

Löcker, Wien 2010 ISBN 978-3-85409-552-1

Mit Franco Berardi Bifo, Jodi Dean, Branka Curcic/Zoran Pantelic, Jens Kastner, Thomas Macho, Gerald Raunig, Saskia Sassen, Klaus Schönberger, Christoph Spehr, Felix Stalder

Kulturpolitik ist als Kategorie öffentlichen Handelns kaum mehr sichtbar. Angesichts ökonomistischer Sachzwänge wird Kultur zu einem Thema außerhalb des Widerstreits gesellschaftlicher Ideen. Zugleich verfolgt das gesellschaftliche Postulat der Rechten sehr wohl kulturpolitische Ziele. Kultur wird als “Soft Power” immer mehr zu einem Schauplatz des Wettkampfs von Städten und Regionen, in denen Kunst der Veredelung der Gastronomie und dem Serviceangebot für Tourismus und Immobilienindustrie dient. Kultur verkommt zum Sicherheitsparadigma, schreibt sich in rassistische Diskurse ein und wird zu einem zentralen Leitmotiv von Repression und politischer Verfolgung.

Ungeachtet der zunehmenden Komplexität kultureller Praxen und Ausdrucksformen wird in geo-politischen Analysen eine ständige Aufwertung deutlich. Nicht nur wirtschaftliche Zusammenhänge werden von kulturellen Faktoren bestimmt, sondern insbesondere auch globale Konflikte und urbane Auseinandersetzungen. Die Bewusstseins- und Medienindustrie, und damit die kulturtechnologische Erweiterung der Symbolmanipulation, gewinnen weiter an Bedeutung. Machtausübung in modernen Gesellschaften erfolgt vorwiegend über oftmals undurchschaubare Netzwerke von Konventionen, Regeln, interpersonellen Beziehungen und internalisierter Kontrolle. Das macht eine breite Debatte über Kultur als konstitutives Element sozialer Beziehungen und politischer Gemeinschaften schwierig. Wer sind die kulturpolitischen Akteurinnen und Akteure?

Der dritte Band in der Reihe der Texte zur Zukunft der Kulturpolitik untersucht das Verhältnis von politischem Handeln und dem kulturellen Feld und eröffnet neue strategische Perspektiven.


Inhaltsverzeichnis

Konrad Becker, Martin Wassermair
Editorial. Nach der Unumkehrbarkeit der Verhältnisse

Jodi Dean
Post-Politik? Nein, danke!

Saskia Sassen
Informelles politisches Wissen in Netzwerken. Die Rolle der neuen Technologien

Konrad Becker
Parapolitik und zwingende Logik. Unsichtbare Ökonomien des Normativen

Branka Ćurčić & Zoran Pantelić
Kulturelle Kommodifizierung und ihre Folgen in der Neoliberalen “Nische”

Franco Berardi Bifo
Massenzynismus

Klaus Schönberger
Protest! Von der Koordination zum Projekt?

Gerald Raunig
Kunststreiks als Zeitgewinn. Für eine wilde Reterritorialisierung der Zeit

Martin Wassermair
Die Rückkehr der Flucht. Kulturpolitische Entwaffnungen einer Wagenburg

Felix Stalder
Teilen und Modifizieren. Neue Dimensionen von Solidarität

Jens Kastner
Nach dem Ende der Avantgarden. Vom “Spirit of ’68” zum “neuen Geist des Kapitalismus”

Christoph Spehr
Für mehr bornierten Kultursozialismus! Vom Recht auf Stadt zum Recht auf Kunst

Thomas Macho
Hoffnung auf Kultur? Chancen und Risiken aktueller Bildungspolitik


Das Buch

Konrad Becker, Martin Wassermair (Hrsg.), Nach dem Ende der Politik. Texte zur Zukunft der Kulturpolitik III, Löcker Verlag (2011).

Eine Veröffentlichung des World-Information Institute

12,5 x 20,5 cm, Broschur, 192 Seiten
€ 19,80
ISBN 978-3-85409-552-1

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